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Landschaftsgärtner besichtigen den imposanten Garten von Prof. Roland Doschka

Schmuckstück am Fuße der Alb

Inspirationen für die Gestaltung dieses Gartens lieferten dem Romanistik-Professor bedeutende Künstler der "klassischen Moderne", wie Claude Monet, Marc Chagall, Joan Miro, Paul Klee und Pablo Picasso. Aber auch das besondere Licht der Provence, die oberitalienischen Gärten und die Natur der Schwäbischen Alb leisteten ihren Beitrag. Bereits 1980 begann Roland Doschka zusammen mit seiner Frau Gabi mit der Anlage des französischen Gartenteils. "Ich weiß nicht, was zuerst in mir entstand, die Liebe zur Kunst oder die Liebe zur Natur", schreibt Doschka in seinem Buch "Ein Spaziergang durch unseren Garten". Die Kunst kann laut Doschka nur das spiegeln, was die Natur vorlebt und diese Wechselbeziehung übte schon immer eine Faszination auf den langjährigen Hochschullehrer für Romanistik aus. Auch Claude Monet gärtnerte aus dem Bauch heraus, so stellt es zumindest Claire Toulgouat, eine Angehörige der Familie (DW-TV, Youtube), in einem Interview dar. Laut Toulgouat hatte Monet nie ein Design für seinen Garten in Giverny entworfen oder gar berühmte Landschaftsarchitekten beschäftigt. Der Maler war der Meinung, dass ein Mensch das Gefühl für einen Garten dann bekommt, wenn er ihn begeht. Hier scheint es konkrete Parallelen zu Roland Doschka zu geben, denn auch er plante und konzipierte die 14 verschiedenen Gartenszenen bislang selbst. "Fachliche Hilfe habe ich mir lediglich bei den klassisch englischen Staudenrabatten geholt. Die hat Dr. Isabelle Van Groeningen für mich geplant", erklärt er. 

Der französische Teil

Mittlerweile umfasst dieser Landschaftsgarten am Fuße der Schwäbischen Alb rund vier Hektar. Der französische Teil gliedert sich in drei Ebenen. Nach dem Zugang über eine Natursteintreppe, die durch mehrere Podeste angenehm gegliedert ist und von Farnen, Efeu sowie immergrünen Gehölzen eingerahmt wird, befindet der Besucher sich in dem Gartenteil, der dem Maler und Gartenliebhaber Claude Monet gewidmet ist. "Als ich 1992 die erste Monet-Ausstellung für Balingen organisierte, habe ich mich intensiv mit seinem Garten und historischen Staudenfeldern in den Pariser Archiven beschäftigt", erzählt der Kunstexperte. 

Für das Staudenbeet am Hang reiste Doschka sehr weit, um die Original-Staudensorten zu erwerben, wie beispielsweise zu einer 96-jährigen Dame in Frankreich, die als Letzte eine von Monets verwendeten Iris-Sorten kultivierte. Das impressionistische Auge des Künstlers symbolisiert ein flacher Teich. Die Wasserpflanzen, ausgebracht in Irisform, bilden dabei das Zentrum. Der Staudenhang ist eine Hommage an die Farben Frankreichs. "Dass die Steppenkerzen gelb und nicht himalayablau blühen, muss wohl ein Versehen des holländischen Lieferanten sein", schmunzelt der 1991 vom damaligen baden-württembergischen Ministerpräsident Erwin Teufel zum Professor ernannte Wissenschaftler. In diesem geschützten Bereich konnte sich eine 1990 gepflanzte kalifornische Magnolie etablieren, eine Seltenheit in Deutschland und für Doschka nur dadurch zu erklären, dass sein Garten durch das angrenzende Waldgebiet sehr gut vor Ost- und Westwinden geschützt ist. Die liegende Frau aus schwarzem Carrara-Marmor stammt von einem unbekannten Künstler aus dem Jahr 1930. Die riesigen Tongefäße dienten dem Einlagern von Oliven – Doschka entdeckte sie auf einem Antikmarkt in Paris.

Kein englisches Geheimnis mehr 

Ein hundertjähriger Ilex-Großbonsai aus Japan, ein Maulbeerbaum, der schon den spanischen Pavillon auf der Stuttgarter IGA zierte sowie eine Pinus parasol – auf botanisch Pinus pinea und bei uns als Schirmkiefer bekannt – sind die Hauptdarsteller des nächsten Gartenraums. Das Atrium aus Elbsandstein verdankt seine Existenz, wie könnte es auch anders sein, der Picasso-Ausstellung im Jahr 2002 in den Neuen Bundesländern. Kunstliebhaber Doschka kaufte die von Steinmetzen per Hand bearbeiteten Steine eines auf der Anreise beobachteten Brückenabrisses und ließ sie zum Atrium formen. Perfekter englischer Rasen begrüßt die Gäste auf der dritten Ebene. Auf Nachfrage der Landschaftsgärtner gibt Doschka das Geheimnis des satten Grüns freigiebig preis. Selbst fasziniert von den Eigenschaften des Inselrasens, kämpfte er sich bei einem Besuch in Sissinghurst Castle bis zum Obergärtner durch und dieser verriet ihm folgendes Rezept: Man nehme 2 Teile Quarzsand und einen Teil keimfreien Humus, vermenge diese und trage das Gemisch drei Zentimeter dick auf den tief zurückgeschnittenen, vertikutierten und gedüngten Rasen im März auf. "Das praktiziere ich nun seit mehreren Jahren mit gutem Erfolg. Der Regen wäscht zuerst den Quarzsand nach unten und sorgt so für eine gute Belüftung. Danach gelangt der Humus an die Wurzeln und sorgt für kraftvolles Wachstum", erklärt Doschka. 

Prominenter Buchsbaum

Neben Zauneidechse und Grasfrosch fühlt sich im weißen Garten, welcher dem bekannten Vorbild von Sissighurst nachempfunden ist, auch ein circa hundertjähriger Buchs von der Halbinsel Krim sehr wohl, der, ausgegraben während der Auflösung der Sowjetunion, zusammen mit weiteren 19 Exemplaren seinen Weg nach Deutschland fand. "An diesem Buchs, der am Boulevard zur Staatsresidenz stand, sind schon viele Staatsmänner dieser Welt vorbeigegangen", ist sich Doschka sicher. Der auf den Wegen häufig verwendete helle Splitt dient als "Schnecken-Schreck", erklärt der findige Gärtner. Nach Regengüssen trocknet er relativ schnell ab und ist zudem aufgrund seiner Scharfkantigkeit für die Schnecken nur schwer zu überwinden - eine optisch schöne Barriere. Über eine ausgedehnte Rasenfläche, bestückt mit einzelnen Skulpturen, einer weidenblättrigen Birne sowie schönen Sitzgelegenheiten, gelangt man über ein Lavendelfeld, bestehend aus 20 verschiedenen Sorten, in den seit Ende 2010 fertiggestellten englischen Teil dieses Paradieses. 

Der neue englische Gartenteil 

Drei Jahre Planung und zwei Jahre Bauzeit stecken in diesem Garten. Eine Allee aus Buchskugeln, an einer Seite flankiert von trapezförmig geschnittenen Hainbuchen, führt direkt auf einen runden kleinen Platz, mit einer riesigen, kugelförmigen Eibe im Mittelpunkt. Die halbkreisförmige Hainbuchenhecken im Hintergrund lüften das Geheimnis des folgenden Gartens erst beim Durchschreiten: eine ovale Rasenfläche wird hier von mediterranen Trockenbeeten, in welchen Iris- und Allium-Sorten, Lavendel und Duftstauden in weißem Splitt gedeihen, eingefasst. Die in Zypressenform geschnittenen, eingestreuten Thuja Sma-ragd stammen von der Baumschule Bruns aus Westerstede. Doschka entdeckte die schönen Exemplare auf der Chelsea Flower Show in London und orderte sie sofort. Zwischen diesem und dem hintersten Gartenteil dieser angelsächsischen Anlage steht ein modernes, rechteckiges und lichtdurchflutetes Gebäude, in welchem die Gartenbibliothek des Professors ihren Platz finden wird. Nebenbei lässt sich hier von der Terrasse aus ein wunderschöner Blick auf den im Renaissance-Stil gehaltenen letzten Gartenraum mit Springbrunnen im Zentrum genießen. Die beiden Remakes englischer Pavillons passen perfekt zwischen die üppigen Staudenbeete, die alle zwei Monate ihr "Gesicht" im Rhythmus der Jahreszeiten ändern. Im Frühling strecken hier beispielsweise 4.000 Zwiebelpflanzen ihre vorwiegend weißen und blauen Blüten der Sonne entgegen. "Die Umsetzung dieser Planung war alles andere als einfach", schildert Doschka den interessierten Landschaftgärtnern auf der sonnenbeschienenen Terrasse, seinem Lieblingsplatz im neuen Teil. Da es sich hier um ein Landschaftsschutzgebiet handelt, wurde der Gartenliebhaber mit vielen Auflagen, wie beispielsweise Ausgleichsflächen und Vorabzahlungen für die Bewirtschaftung dieser Magerwiesen, von der Gemeinde Rottenburg konfrontiert. Der englische Garten ist über eine große Zisterne, die von einer Quelle gespeist wird, automatisch bewässert. Abends und nachts beleuchten rund 360 Beleuchtungskörper den Garten. "Das weckt bei mir Erinnerungen an die schön beleuchtete Côte d'Azur", schwärmt Doschka, der zurzeit Präsident des Europäischen Kulturforums Mainau ist und die sonnigen Abende hier am liebsten mit einem schweren Bordeaux ausklingen lässt. Der Abschied aus diesem Paradies fällt den wirklich beeindruckten Fachmännern- und -frauen sichtlich schwer. "Hier muss ich unbedingt mal wieder herkommen", ist sich Uschi App, Mitglied des Vorstandes des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. ganz sicher. Somit gilt ihr herzliches Dankeschön nicht nur Professor Doschka, sondern auch der Agentur solutioncube GmbH (= Veranstalter der GardenLife in Reutlingen), welche die beiden Besichtigungstermine in diesem Traumgarten organisierte.