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Ausbildung schafft Zukunft – aus der Praxis für die Praxis

Ausbildung schafft Zukunft – aus der Praxis für die Praxis

Erfahrungen, neue Ideen und konkrete Wünsche waren heiß begehrt auf der Veranstaltung „Ausbildung schafft Zukunft" der Region Stuttgart vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. (VGL). Knapp 90 Unternehmer, Ausbilder, Lehrer und Meisterschüler arbeiteten ganz konkret an Möglichkeiten zur Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Betrieben, aber auch an neuen kreativen Ideen für eine erfolgreiche Nachwuchswerbung. Dieser Abend in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen war gleichzeitig die letzte Veranstaltung zu diesem Thema, welche in den letzten drei Jahren in allen 12 VGL-Regionen mit großem Erfolg und stets begeisterten Unternehmern und Ausbildern durchgeführt wurde.

Dynamische Gruppenprozesse
Das dynamische Konzept mit Gruppenarbeit und Selbsteinschätzung, das Moderator Eberhard Breuninger für diese Veranstaltungsreihe erarbeitete, stieß auf eine sehr positive Resonanz. „Wie bin ich versorgt mit guten Leuten?" und „Wie gut bin ich selbst als AusbilderIn und Führungskraft?", auf diese beiden Fragen forderte Breuninger die aktive Positionierung auf einer fiktiven Skala von null bis zehn vor der Bühne der Filderhalle ein. Breuninger interviewte verschiedenste Teilnehmer dazu, warum sie sich gerade auf diese Ziffer gestellt haben. Nur wenige sahen sich auf der zehn, die eigentlich das Ziel für alle Unternehmer und Ausbilder sein sollte.

Für die sich anschließende Gruppenarbeit im sogenannten Ausbildungscafé gab es zwar weder Cappuccino noch Espresso, dafür aber zwei große Flipchartbögen, die jede Menge Platz für innovative Notizen boten. Die konkrete Zielsetzung hierbei war, in den pro Aufgabenstellung jeweils neu gemischten Teilnehmergruppen Vorschläge zur Verbesserung der Ausbildungsqualität zu sammeln und die Nachwuchswerbung durch neue kreative Ideen auszubauen. Am Ende trugen die ernannten Gruppensprecher die gesammelten Ergebnisse (siehe Info-Kasten am Textende) dem Auditorium vor.

Von „Walk" und „Talk"
„Walk the Talk" und „Talk the Walk" – Lebe das, worüber du sprichst und sprich über das, was du an Gutem tust. Diese beiden Handlungsweisen empfahl Breuninger dem Auditorium sehr eindringlich, denn Unternehmenswerte müssen aktiv gelebt werden. Es hilft nichts, über Wertschätzung zu sprechen, sie aber nicht zu geben. Zudem benötigen Azubis Führung und die daraus resultierenden Konsequenzen. „Wer über seine Toleranz bei gemachten Fehlern spricht, darf dann auch nicht ausrasten, wenn der Radlader auf der Seite liegt", stellte der Moderator seine Forderung sehr bildhaft dar. Keine leichte Aufgabe ist es, die jungen Menschen aus ihrer Komfortzone zu locken und sie in der Lernzone zu platzieren, doch gerade das gehört mit zu einer TOP-Ausbildung. Es gilt, motivierende Zukunftsperspektiven aufzuzeigen und diese kann ein Unternehmen in der Regel bieten. Über Gutes zu sprechen, ist für einen Schwaben laut Breuninger die ultimative Herausforderung, denn im Ländle gilt ja der hinlänglich bekannte Grundsatz: „Nix gsagt isch gnug globt" oder auf Hochdeutsch: „Nichts gesagt ist genug gelobt". Eigenlob stinkt übrigens gar nicht mehr, weshalb über eine gute Ausbildung gerne auf der Homepage mittels Öffentlichkeitsarbeit in Zeitungen und Zeitschriften oder durch sonstige Aktivitäten viel und gerne gesprochen bzw. geschrieben werden darf. Wer lokal ein bisschen berühmt ist, hat definitiv bessere Karten auf dem Ausbildungsmarkt, denn dann muss das Unternehmen nicht nach Azubis suchen, sondern wird gefunden. Basis hierfür ist, dafür zu sorgen, dass einen möglichst viele passende Menschen finden. Breuninger brachte dies leicht überspitzt wie folgt auf den Punkt: „Sie müssen für den potenziellen Nachwuchs einfach „sexy" wirken."

Ineinandergreifende Rädchen einer fundierten Ausbildung
An einer guten Ausbildung sind viele Menschen beteiligt und diese ließ Breuninger in einer Podiumsrunde ganz konkret zu ihren Aufgaben und Vorstellungen bezüglich einer guten Ausbildung zu Wort kommen: Agnes Rehm, seit über zehn Jahren Ausbildungsberaterin im Bereich des Regierungspräsidiums Stuttgart, ist beispielsweise die richtige Ansprechpartnerin, wenn es um Konflikte in der Ausbildung geht. „Um Ausbildungsabbrüche zu verhindern, ist es sehr wichtig, dass sich die Betriebe, aber auch die Azubis rechtzeitig an mich wenden, damit wir gemeinsam eine gute Lösung finden", bittet Rehm um eine verantwortungsvolle Mitarbeit.

„Wir als Fachlehrer in Göppingen halten bewusst den engen Kontakt zu den Betrieben. Wenn die Schüler mitbekommen, dass wir ihre Ausbilder kennen, läuft vieles reibungsloser. Bei schwierigen Schülern bietet es sich zudem an, gemeinsame Maßnahmen mit dem Betrieb zu ergreifen, wie beispielsweise die nicht erledigten Hausaufgaben am Samstag in der Firma nachzuarbeiten", erklärt Carl Schrader. „Uns in Hohenheim ist es wichtig, sehr praxisbezogen zu unterrichten", so Christopher Willmann, Fachlehrer an der Landwirtschaftlichen Schule in Hohenheim. Sein Wunsch an die Betriebe ist eine breite Ausbildung mit vielen Pflanzenkenntnissen.

Zum Thema Pflanze ergänzte Andrea Kolb, Leiterin der Überbetrieblichen Ausbildung in Heidelberg (ÜBA), dass der Kurs Pflanze 2 inhaltlich umgestellt wird, um noch mehr Praxiswissen zu vermitteln. Kurzfristige Kurs-Absagen aus betrieblichen Gründen sind eine große Herausforderung für die ÜBA, da das Nachholen organisatorisch nur sehr schwierig umzusetzen ist. Kolb findet es zudem wichtig, die Kurse gemeinsam mit den Azubis auszuwählen und diese intensiver über die wichtigen Inhalte zu informieren.

Daniela Seidenspinner, Regionalbeauftragte der Region Stuttgart, bildet seit 18 Jahren aus und stellt fest, dass die heutigen Jugendlichen einen wesentlich höheren Fürsorgeanspruch haben als früher. „Am liebsten ist es den Azubis, wenn sie mit allen Arten von Problemen kommen dürfen, weshalb ein konkreter Ansprechpartner sehr wichtig geworden ist." Für den kurzen Weg zwischen Ausbilderin und Azubis wurde eine WhatsApp-Gruppe gegründet. „Für uns ist die Agentur für Arbeit eine wichtige Institution bei der Vermittlung von Jugendlichen. Wir haben dort einen festen Ansprechpartner und für 2016 liegen uns genügend interessante Bewerbungen vor", so Seidenspinner. Albrecht Bühler, ebenfalls Regionalbeauftragter, bildet in seinem Betrieb nach einer klaren Agenda aus. Einmal pro Monat findet beispielsweise ein Pflanzentest statt und zweimal im Jahr gibt es jeweils zwei Azubitage. Einer dieser Termine liegt immer im Herbst, also kurz nach dem Start der neuen Azubis und trägt so maßgeblich zur Vertrauensbildung bei. Bühler hält die Listung des Betriebes bei der Agentur für Arbeit für die am meisten unterschätzte Methode, Azubis zu gewinnen. Bildungspartnerschaften mit Schulen und von der IHK ausgebildete Ausbildungsbotschafter sind weitere aktive Maßnahmen für Bühler, um seine gute Ausbildung an die Interessensgruppen heranzutragen. Elke Güber, seit mehr als 20 Jahren Referentin für Nachwuchswerbung beim VGL, erklärt, dass auf den Ausbildungsmessen motivierte Azubis die besten Jobvermittler für diesen Beruf sind. „Die Jugendlichen wollen nicht mit uns und auch nicht mit den Chefs sprechen, sondern mit Gleichaltrigen." Güber verrät, dass zur Messe GaLaBau die neue Nachwuchswerbekampagne vorgestellt wird, die in enger Zusammenarbeit mit Azubis und Ausbildern entwickelt wird. Des Weiteren weist sie auf die wertvollen und unterstützenden Inhalte der kostenlosen WdA (Weiterbildung für Ausbilder)-Seminare hin, die jährlich vom VGL durchgeführt werden. Ihr Abschlussplädoyer gilt der Homepage der Betriebe: „Die Ausbildung gehört hier auf die erste Seite und braucht ein Gesicht. Lassen Sie Ihre Azubis und Ausbilder hier zu Wort kommen und wenden Sie sich an einen professionellen Gestalter, der weiß wie Jugendliche ticken."Erfahrungen, neue Ideen und konkrete Wünsche waren heiß begehrt auf der Veranstaltung „Ausbildung schafft Zukunft" der Region Stuttgart vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. (VGL). Knapp 90 Unternehmer, Ausbilder, Lehrer und Meisterschüler arbeiteten ganz konkret an Möglichkeiten zur Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Betrieben, aber auch an neuen kreativen Ideen für eine erfolgreiche Nachwuchswerbung. Dieser Abend in der Filderhalle in Leinfelden-Echterdingen war gleichzeitig die letzte Veranstaltung zu diesem Thema, welche in den letzten drei Jahren in allen 12 VGL-Regionen mit großem Erfolg und stets begeisterten Unternehmern und Ausbildern durchgeführt wurde.

Ergebnisse des Ausbildungscafés

Qualitätsverbessernde Vorschläge für die Ausbildung:

  • der Austausch mit einer Baumschule und einem Staudenbetrieb
  • regelmäßige Personalgespräche
  • mehr sozialer Halt im Betrieb
  • hohe Wertschätzung leben
  • ausreichend Zeit zum Lernen anspruchsvoller Tätigkeiten
  • mehr Verantwortung übertragen
  • ein Azubi-Austausch mit Kollegenbetrieben
  • die Azubis die interessanten Baustellen immer vom Anfang bis zum Ende miterleben zu lassen und keinen Kolonnentausch zu vollziehen
  • die Förderung der Wissensvermittlung der Azubis untereinander, da hier das Nachfragen eine niedrigere Hemmschwelle besitzt
  • WdA-Seminar zur Pflicht machen
  • Teambildungs-Veranstaltungen durchführen
  • den innerbetrieblichen Austausch der Baustellenleiter forcieren, da sie gemeinsam den Erfolg der Ausbildung verantworten
  • Rückmeldebögen einführen und Baustellen von Kollegen besichtigen
  • kleinere Berufsschulklassen
  • Pflanzenexkursionen zu unterschiedlichen Jahreszeiten
  • mehr Azubi-Wettkämpfe, die den Ehrgeiz der Jugendlichen fördern
  • einen Pflanzenbotschafter im Ausbildungsbetrieb zu benennendie
  • Teilnahme an verschiedensten Fachseminare aus der Zulieferindustrie als fachlich wichtige und motivierende Maßnahme

.... und jede Menge weitere Vorschläge.

Kreative Ideen zur Nachwuchswerbung:

  • eine aktivere Zusammenarbeit mit allen Schularten
  • die noch bessere Nutzung von Ausstellungen, Messen und Landesgartenschauen
  • Blog für Azubis auf der AuGaLa-Internetseite
  • die Teilnahme am Girls-Day, aber auch bei Sportveranstaltungen wie Straßenläufen als Team im Firmentrikot
  • Auslandsaufenthalte und europaweite Austauschmöglichkeiten nutzen
  • die Beschriftung aller Firmenfahrzeuge, aber auch die Inhalte von Bannern, Flyern und der Berufskleidung noch mehr auf die Ausbildung ausrichten
  • Workshops und Projekttage an Schulen und Kindergärtensich auf politischer Ebene ins Gespräch bringen
  • bewusst Mädchen ansprechen
  • Schulklassen auf Baustellen oder in den Betrieb einladen
  • Testimonials ehemaliger Azubis in die modernen Medien einpflegen
  • sich bei einer Europa-Minigärtner-Gruppe beteiligen oder eine ins Leben rufen
  • smartphonetaugliche Internetseiten anbieten
  • sich durch Kinowerbung bekannt machen
  • binnen kürzester Zeit auf jegliche Art von Bewerbung, also auch auf Anfragen für ein Praktikum, zu reagieren

....und weitere Ideen.

Fazit: Diese landesweite Aktion brachte zahllose neue Ideen für eine hochwertige Ausbildung und eine kreative Nachwuchswerbung im Garten- und Landschaftsbau, die nun vom VGL nach dieser Veranstaltung für alle Ausbildungsbetriebe zusammengefasst werden. Die Teilnehmer nahmen sehr viel Motivation in ihre Betriebe und für ihre zukünftige Ausbildungsaufgabe mit, was auch die Auswertung zahlreicher Rücklaufbögen bestätigte.

Informationen gibt es beim
Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau
Baden-Württemberg e.V.
Filderstr. 109/111
70771 Leinfelden-Echterdingen
Telefon 0711/ 97566-0
www.galabau-bw.de

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