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Die deutschen Landschaftsgärtner sind Vizeweltmeister

Reinhold Irßlinger und Manuel Kappler stehen zusammen mit der Schweiz und Österreich auf dem Treppchen und gewinnen die Silbermedaille auf den WorldSkills (Berufsweltmeisterschaften) in Leipzig. So wird der Abend des 7. Juli 2013 für beide zu einem unvergesslichen Erlebnis.

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Strahlende Gesichter nach dem Wettbewerb: Reinhold Irßlinger, Chefexperte + Teambetreuer Martin Gaissmaier, Manuel Kappler 

Pascal Flüeler und Thomas Barmettler aus der Schweiz sichern sich mit 86,95 Punkten den Weltmeistertitel. Ihre Baustelle funktionierte vier Tage lang wie das sprichwörtliche Schweizer Uhrwerk. Nur 3,70 Punkte trennen das deutsche vom Schweizer Team, gefolgt von Österreich mit 77,34 Punkten, die mit Dominik Rechfelden und Martin Unterberger den dritten Platz belegen. Vierter wird Südtirol mit Lukas Oberrauch und Peter Plieger (74,24 Punkte) gefolgt von Schweden, Niederlande, Australien und Frankreich. „Ich bin absolut überwältigt“, strahlt Reinhold Irßlinger nach der Siegerehrung. „So etwas erlebt man nur einmal im Leben – und dann gleich die Silbermedaille“, freut sich Manuel Kappler mit glänzenden Augen. Auf der Weltkarte betrachtet, sticht sofort ins Auge, dass die Länder auf den ersten vier Plätzen sehr nah benachbart sind.

Die Wettbewerbsaufgabe

22 Stunden volle Power standen vom 3. bis 6. Juli auf dem Programm des deutschen Teams und das haben Manuel und Reinhold bis zur letzten Minute konsequent durchgezogen. Gut vorbereitet von Peter Emmerich im Überbetrieblichen Ausbildungszentrum des Verbandes Garten- Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V. (VGL), starteten die fachlich fitten Baden-Württemberger mit ihrem erfahrenen Experten und Teambetreuer Martin Gaissmaier ins Rennen. „Wir wussten, dass die Schweiz einer unserer härtesten Konkurrenten sein würde“, erklärte Gaissmaier, der sehr stolz ist auf die Silbermedaille, die sich seine Jungs erkämpft haben. Es galt eine sehr anspruchsvolle Aufgabenstellung mit viel Natursteinarbeiten und einem straffen Zeitplan zu lösen. „Manuel und Reinhold hatten die einzelnen Aufgaben aufgeteilt, wenn es klemmte halfen sie sich gegenseitig und dieser Plan ging auf“, freut sich Gaissmaier, der als Teambetreuer ganze Arbeit geleistet hat, riesig.

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Der "Silber-Garten" 

Am ersten Tag musste die Natursteinmauer des Kräuterhochbeetes, fer-tiggestellt werden. Die Bearbeitung des Muschelkalks in seiner ganzen Härte beschäftigte Reinhold die kompletten sechs ein viertel Stunden, aber zum Schluss stand eine optisch perfekte Mauer. Manuel maß die Baustelle aus und verlegte das Großpflaster, welches die Terrasse und die Holzliege einrahmte. Am zweiten Tag baute er das Wasserbecken aus Muschelkalksteinen mit gesägten Lager- und Stoßfugen. Hierbei waren die Vorderseiten zu bossieren, die Ecksteine mussten bruchrau hergestellt werden. Reinhold kümmerte sich um die geschwungene Holzliege und schnitt die Abdeckplatten des Wasserspiels zu, die auf den Millimeter passten. Tag drei war vom Zeitdruck her sicherlich der Anstrengendste, da am Abend sowohl die gepflasterte Terrasse, als auch die Sitzbank und die Holzliege von den Experten bewertet wurden. Nur vier Nationen schafften es, die verwinkelte Pflasterfläche im vorgegebenen Zeitfenster fertig zu stellen. In den letzten drei ein viertel Stunden am Samstag erhöhten Manuel und Reinhold noch mal die Drehzahl. Nach der Verlegung der sieben Schrittplatten „flogen“ die Pflanzkellen über die Baustelle und verwandelten sie in einen wunderschönen Garten mit blühenden Großstauden, einem Apfelbaum, Kugelbuchsen und Kräuterhochbeet. Zum Schluss blieb dem deutschen Team sogar die Zeit für ein echtes optisches Finish: Noch schnell das Wasserspiel anstellen, den Sonnenschirm aufspannen, die Hecke und den Hainbuchen-Bogen schneiden, alles fegen, gießen und die Schrittplatten sauber machen. Ein mutiger Sprung von Reinhold befreite den Apfelbaum vom letzten trockenen Ast: Fertig! Wenige Sekunden nach dem Abpfiff war das deutsche Team bereits von der Presse für Live-Interviews umringt.

Emotionen

Ausbilder Peter Emmerich ist begeistert: „Die haben echt alles super gemacht“ Beim Abpfiff standen Martin Gaissmaier fast die Tränen in den Augen. Man sieht, er ist richtig stolz auf „seine Buam“ (hochdeutsch: Jungs) und er weiß, welche Hochleistung die beiden in den letzten Tagen erbracht haben. Nach dem Abpfiff fällt von Manuel und Reinhold sichtbar die Anspannung ab: Beide lachen befreit, sie haben es geschafft und zwar mit einem grandiosen Abschlusssprint. 

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Die Fans 

Am Samstag wurden die Jungs tatkräftig von Schlachtenbummlern aus ganz Deutschland unterstützt. Der VGL reiste mit circa 50 Fans aus Ba-den-Württemberg an. Die Firma Widenhorn aus Sipplingen, Reinholds Ausbildungsbetrieb, feuerte mit der kompletten Mannschaft an und auch die Eltern und Chefs (Fritz Fahr aus Dornstetten und Matthias Widenhorn aus Sipplingen) beider Jungs fieberten die letzten zwei Stunden vor der Bande mit. Die Stimmung war großartig und Reinhold und Manuel flogen zum Schluss förmlich über die Baustelle, um die letzten Handgriffe, die wichtig für die Expertenbewertung des abschließenden Gesamteindrucks waren, in Perfektion zu erledigen. Tosender Applaus begleitete die letzten Minuten des Wettbewerbs. 

Die Abschlussfeier

Ein beeindruckendes Video über die Highlights in den einzelnen Wett-bewerben stimmte das Publikum auf die Medaillenverleihung ein. Nach der akrobatischen Showeinlage von Lazy Basics wurden die Gewinner der 46 Wettbewerbe bekannt gegeben: Gänsehautfeeling machte sich breit und umschreibt den emotionalen Zustand der deutschen Zuschauer wahrscheinlich am treffendsten. Als die Besten des Wettbewerbes „Landscape Gardening“ noch ohne Platzierung aufgerufen wurden und klar war, dass unser deutsches Team dabei ist, stieg die Spannung ins Unermessliche. Endlich auf der Bühne, bekam das österreichische Team die Bronzemedaille verliehen. Manuel und Reinhold sind Vizeweltmeister und das Schweizer Team holte sich den Titel. Was für ein aufregender Abend. Der Einzige, der vorher Bescheid wusste, war Experte Martin Gaissmaier und er hat bis zuletzt niemandem etwas verraten. Manuel und Reinhold waren überwältigt, doch das war nicht das Ende ihres Erfolges, denn im Anschluss an die Einzelwettbewerbe bekamen sie noch die Medaille „Best of Nation“ verliehen. Unglaublich, drei Medaillen an einem Abend.

Am 11. Juli wird das gesamte deutsche WorldSkills-Team von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Schirmherrin dieser Veranstaltung, in Berlin empfangen.

Die nächsten WorldSkills finden 2015 in São Paulo, Brasilien, statt. 

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