Jahrespressegespräch 2026
Der Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau in Baden-Württemberg
RÜCKBLICK – AUSBLICK – PERSPEKTIVEN

Martin Joos, Vorstandsvorsitzender des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e. V. (VGL-BW) begrüßt die Teilnehmenden zum Pressegespräch mit den Worten: „Wir Landschaftsgärtner reden nicht vom Klimaschutz, wir machen ihn, jeden Tag! Räume, in denen Menschen und Natur zusammenstehen, miteinander leben, sind unser Alltag. Doch unser Beitrag findet immer noch nicht die dringende Beachtung im sehr technisch geprägten Baden-Württemberg.“
Durch Kriege, Konflikte und wirtschaftliche Krisen steht der Klimawandel sowohl bei der Politik als auch bei der Bevölkerung nicht mehr auf den obersten Rängen der Dringlichkeit, auch wenn er objektiv betrachtet nichts davon verloren hat, im Gegenteil. „Was eine Klimaanlage für teures Geld erzwingt, liefert ein gut geplanter Stadtbaum für weitaus weniger Investitionen – und seine Leistungen bezüglich CO2-Bindung und Sauerstoffproduktion werden über die Jahre besser, nicht schlechter. Hier geht es nicht um Wohlfühlprojekte, sondern um eine grüne Stadtentwicklung und im besten Fall um eine grün-blaue Infrastruktur für unsere Zukunft, vor allem in urbanen Wohnquartieren. Wir sind sehr gespannt, welche Weichen die nun anstehenden Koalitionsverhandlungen diesbezüglich stellen werden und ob das Bauen mit Grün und Blau endlich zum Leitgedanken für Vergaberecht, Förderprogramme und Bebauungspläne wird. Denn diese Entscheidungen werden Baden-Württemberg für die nächste Dekade prägen“, sagt Joos.
01 Rückblick 2025 – Daten - Zahlen - Fakten
Der Umsatz des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus in Baden-Württemberg stieg im Jahr 2025 um 4,5 Prozent auf 2,15 Milliarden Euro (bundesweit 4,3 % oder 11,11 Milliarden €). Trotz der extremen Kaufzurückhaltung der Konsumenten behauptet sich die Branche auch in einem gesamtwirtschaftlichen Umfeld, das zurzeit kaum Rückenwind bietet. „Auslastung und Auftragslage waren stabil, was einmal mehr für einen anpassungsfähigen Berufsstand spricht und laut der aktuellen Zahlen der bundesweiten Branchenumfrage schätzen viele Betriebe die aktuelle Geschäftslage nach wie vor positiv ein, auch wenn der Aufwand an Aufträge zu kommen wieder höher wird“, skizziert Geschäftsführer Marco Riley. Die Insolvenzen in der Gesamtbranche nahmen erkennbar zu (von 101 in 2024 auf 133 in 2025), bei den Mitgliedsbetrieben bundesweit zum ersten Mal seit drei Jahren ab (von 13 auf neun).
„Wir zählen aktuell 802 Mitgliedsbetriebe. Im Jahr 2025 verzeichneten wir 29 Austritte, meist altersbedingte Betriebsaufgaben, denen 35 Eintritte gegenüberstanden, die zu einem Wachstum von einem Prozent führten, was uns nach den Rückgängen in den Jahren 2023 und 2024 sehr motiviert“, freut sich Riley.
Mit 1.280 Azubis liegt die Branche fast auf dem Niveau des Vorjahres (1.286), die Anzahl der neuen Ausbildungsverträge stieg auf 518. „Das ist ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr mit 467 neuen Verträgen. Bundesweit stieg die Azubizahl um 85 auf 8.089 Auszubildende. Die große Zahl erfolgreicher Prüfungsabschlüsse unterstreicht zudem die Qualität der Ausbildung in unseren Betrieben“, erläutert Riley. Die Branche beschäftigt 15.150 gewerbliche Arbeitnehmerinnen und -nehmer, somit stieg die Zahl der Beschäftigten erneut an (2024: 15.080). Der Anteil an privaten Auftraggebern legte um ein weiteres Prozent auf nun 63 Prozent zu. Dagegen nahmen die öffentlichen Aufträge (18 %) und der gewerbliche Wohnungsbau (8 %) beide erneut um ein Prozent ab. Die Aufträge aus der Industrie blieben mit fünf Prozent konstant.
Mit 182 Fördermitgliedern durfte der VGL-BW 2025 fünf neue Förderer der berufsständischen Arbeit begrüßen.
Aktuelle Branchenumfrage
Knapp 80 Prozent (BW: 79,4 %, bundesweit: 74,7 %) aller Mitgliedsbetriebe sind länger als 10 Jahre Mitglied beim VGL-BW. 55,6 Prozent beschäftigen zwischen 5 und 15 Mitarbeitende. 50,4 Prozent stimmen der Aussage „Die Leistungen des Verbandes bieten einen klaren Mehrwert“ voll zu (Gesamtverband 38,3 %), 36,6 Prozent stimmen eher zu (Gesamtverband 41,8 %), was eine Summe von 88,7 Prozent ergibt. „Das sind Zahlen, auf die wir als Vorstand und Geschäftsführung stolz sein können, aber auch hier ist noch Luft nach oben“, merkt Riley an. Dabei kristallisierten sich die Beratung und Unterstützung durch den Verband (74,5 %) sowie die Vertretung berufsständischer Interessen gegenüber Politik und Verwaltung (67,3 %) als die wichtigsten Leistungen heraus. 93 Prozent der Befragten sind zudem mit dem VGL-BW sehr zufrieden bzw. zufrieden (Gesamtverband 86,9 %). Das spiegelt sich auch beim Punkt der Schnelligkeit, Probleme zu lösen: Hier sind 93,5 Prozent der Mitglieder eher zufrieden bis sehr zufrieden.
„Am Ende habe ich noch eine Nachricht nach dem Motto Tue Gutes und rede darüber. Der VGL-BW pflanzte im Jubiläumsjahr 2025 knapp 120 Bäume in Städten und Gemeinden mit Größen der baden-württembergischen Politik. Wir haben also sehr nachhaltig und öffentlichkeitswirksam gefeiert, um die grünen Tugenden in den Fokus zu rücken“, schließt Riley.
02 Ausblick 2026
Neue Geschäftsführung
In diesem Jahr hielt der Generationenwechsel auch an der Spitze der Geschäftsstelle des VGL-BW Einzug: Marco Riley übernahm im Januar 2026 die Geschäftsführung von Reiner Bierig und wird hierbei von Andreas Haupert als stellvertretenden Geschäftsführer unterstützt. Die neue Doppelspitze setzt auf Teamarbeit und frische Impulse. Zugleich verteilt sich die Verantwortung auf mehrere Schultern. Unterschiedliche Kompetenzen – Riley verfügt über Erfahrungen in der Verbands- und Bildungsarbeit, Haupert kennt die Verbandsstrukturen und die Anliegen der Mitglieder – führen zu einer breiteren strategischen Ausrichtung und einer Stärkung der Leistungsfähigkeit für zukünftige Herausforderungen.
Erfolg beim Thema Maut
Beim Thema Maut gibt es endlich einen ersten Erfolg zu verzeichnen. Das Verwaltungsgericht Berlin hat in einem vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) unterstützten Musterverfahren gegen die Maut beschlossen: „Ein GaLaBau-Betrieb ist im Werkverkehr wie ein Handwerksbetrieb von der Lkw-Maut auf leichte Nutzfahrzeuge ausgenommen.“ Der Beschluss ist derzeit noch nicht rechtskräftig. „Das Verwaltungsgericht ist hiermit endlich der Argumentation der Branche im vollen Umfang gefolgt“, erklärt Riley, „jetzt ist das Bundesverkehrsministerium gefordert, für eine faire Gleichbehandlung zu sorgen. Wir sind sehr gespannt, wie es nun für bundesweit über 4.000 Arbeitgebende weitergeht, denn der Beschluss des Verwaltungsgerichts vom 23. Februar 2026 ist ein wegweisender.“
Unternehmensnachfolge
„Sorge bereitet uns das Babyboomer Syndrom, denn es macht auch vor unserer Branche keinen Halt. Allein im Jahr 2025 fanden über 25 Unternehmen keine Nachfolge. Wir boten deshalb kostenlose Quick-Checks zusammen mit den Unternehmensberatern unseres Vertrauens an, die sehr intensiv genutzt wurden. Nun hoffen wir, dass dies Früchte trägt und sich die Vielfalt an Lösungsmöglichkeiten, wie eine Übernahme durch Mitarbeitende oder auch der Verkauf an einen Branchen-Investor, in stabilen oder sogar wachsenden Mitgliederzahlen darstellt. 25,2 Prozent unserer Betriebe befinden sich zurzeit bereits im Prozess der Unternehmensnachfolge und 9,6 Prozent werden diesen in den nächsten drei Jahren anstoßen“, skizziert Riley. Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg (LVG) bietet seit 2023 das duale Studium „BWL Nachhaltiges Bauen und Ressourcenmanagement, Management im Garten- und Landschaftsbau“ gemeinsam mit der Dualen Hochschule in Mosbach an. Das Studium wurde dieses Jahr einer erfolgreichen Reakkreditierung zu noch mehr Praxisnähe unterzogen. Die Absolventinnen und Absolventen sind mit diesem Bachelor-Abschluss in der Lage, ein GaLaBau-Unternehmen zu führen, zu übernehmen oder aber in der Chefetage mitzuarbeiten. Dieses Studium bietet somit die Möglichkeit, sich eine geeignete Nachfolge im Unternehmen auszubilden.
Grün-blaue Infrastruktur
Bei der grün-blauen Stadtentwicklung geht es um die Verbindung ökologischer und sozialer Prozesse und um klimagerechte und wassersensible Konzepte, die die urbane Lebensqualität steigern. Städtische Zukunft braucht ein regeneratives Design: Grundwasser soll durch gezielte Versickerung neu gebildet werden, Verdunstung kann städtische Hitze mindern, und Notwasserwege sichern die Abführung von Starkregen. Der urbane Wasserkreislauf muss neu gedacht, lokal gespeichert und versickert werden, um die Regeneration zu fördern. Städtische Oberflächen so zu gestalten, dass sie bei Bedarf temporär überflutet werden können, Dachbegrünungen, Fassadenbegrünungen, Zisternen, große Wasserflächen sowie die Versickerung von Restwasser über filternde Rigolen beinhalten die Umsetzung dieser Forderungen.
„Unsere Mitgliedsunternehmen stehen mit Wissen bestens ausgerüstet in den Startlöchern. Es liegt an den Städten und Kommunen, sich das notwendige Geld für diese Maßnahmen aus den vielen existenten Förderprogrammen zu generieren“, zeigt Joos auf.
Kommunale Förderprogramme
Das Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen Baden-Württemberg hat aktuell eine Entsiegelungsprämie eingeführt, die am 16. Februar 2026 in Kraft getreten ist. Diese Maßnahme ist Teil des Aktionsplans Flächen sparen, um die rund 220.000 Hektar versiegelte Landesfläche zu reduzieren. Die Prämie richtet sich an Kommunen, die Entsiegelungsmaßnahmen auf eigenen Flächen durchführen. Bei einer vollständigen Entsiegelung gibt es bis zu 40.000 Euro Zuwendung, bei einer Teilentsiegelung bis zu 24.000 Euro. Die Förderung ist zunächst bis 31. Dezember 2026 begrenzt. „Wir GaLaBauer hätten hier jede Menge Ideen, wie sich aus Asphaltflächen biodiverser Wohnraum für Vögel, Insekten und Kleinsäuger sowie gleichzeitig mehr Lebensqualität für Bewohner schaffen lässt“, hofft Joos auf eine reichhaltige Nutzung der Förderung.
Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ – Teil des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität – stellt insgesamt 333 Millionen Euro für die Sanierung und Modernisierung kommunaler Sportstätten bereit. Gefördert werden neben Sporthallen, Hallen- und Freibädern auch Fußballplätze und Leichtathletikanlagen. Vereine nehmen über ihre Kommune teil, die die Projektskizzen einreicht. Die Förderquote beträgt von 45 bis 75 Prozent bei finanzschwachen Kommunen. Es besteht eine berechtigte Hoffnung auf eine, hoffentlich finanziell erhöhte, Folgeauflage in 2028. Der Fördertopf ist stark nachgefragt und meist schnell überzeichnet."
Die zentrale Anlaufstelle für Förderungen zum Thema natürlicher Klimaschutz ist das Kompetenzzentrum Natürlicher Klimaschutz (KNN, www.kompetenzzentrum-nk.de). Hier finden die Kommunen in allen zehn förderfähigen Handlungsfeldern des Aktionsprogramms Experten zur Fach- und Orientierungsberatung. Die einstufige Antragsstellung wird bei Förderfähigkeit mit 50 bis 80 Prozent der Kosten (bei finanzschwachen Kommunen) seit Januar 2026 gefördert.
Eine Förderrichtlinie im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK) lautet „Natürlicher Klimaschutz in Kommunen“. Sie wird über die KfW im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMUKN) umgesetzt. Seit Öffnung der Förderung im Jahr 2024 haben bereits 850 Kommunen eine Zusage auf Förderung erhalten. Mittlerweile wurden 447 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Das ANK verfügt bis Ende 2029 über ein Gesamtvolumen von 4,5 Milliarden Euro, was bedeutet, dass hier noch vier Milliarden im Topf liegen.
Das Förderprogramm „Biologische Vielfalt in Kommunen“ ist ein Landesförderinstrument in Baden-Württemberg. Hiermit sollen Kommunen in die Lage versetzt werden, Biodiversität in Planung, Bau und Unterhalt zu integrieren, um Strukturen langfristig ökologisch aufzuwerten.
„Geld für den notwendigen klimafitten Umbau ist vorhanden, die Kommunen müssen dringend ins Handeln kommen. Die Stiftung Grün in die Stadt bietet deshalb einen Fördercheck an, der Kommunen helfen soll, entsprechende Fördermittel zu finden“, zeigt Joos auf.
Paris hat hier bereits Maßstäbe gesetzt, denn es verwandelte mit dem Rathausvorplatz den dritten Platz zu einem grünen Stadtwald. Das Ziel: Die Bekämpfung städtischer Wärmeinseln und die Förderung der Biodiversität. Mit dem Projekt „Les Cours Oasis“ wurden seit 2018 165 Schulhöfe in Paris entsiegelt und zu grünen Oasen mitten in der Stadt verwandelt, um der sommerlichen Hitze entgegenzuwirken. „Paris wartet nicht, bis alle überzeugt sind, sondern macht – und dann überzeugt das Ergebnis, weil es die Menschen sehen und fühlen können, was Grün verändert“, beleuchtet der Vorstandsvorsitzende. „Das ist der Auftrag der Politik in Baden-Württemberg und unserer, dann, wenn es an die Umsetzung geht. Wir brauchen wieder mehr Visionen und vor allem den Mut, die Dinge anzupacken. Wir brauchen mehr Macher. Dafür benötigen wir verlässliche Rahmenbedingungen und ein Vergaberecht, das faire Bedingungen schafft, damit die Förderprogramme für die Klimaanpassungen tatsächlich bei den ausführenden Betrieben ankommen“, führt Joos weiter aus.
Ein Vorzeigeobjekt könnte diesbezüglich der Deckel der A 81 – zwischen Sindelfingen und Böblingen – mit rund drei Hektar Fläche werden. Mit einer 27 Hektar großen Überdeckelung schafft die Hansestadt Hamburg bereits eine grüne Verbindung zwischen mehreren Stadtteilen. „Diese Baumaßnahme hat jede Menge Potenzial für eine grün-blaue Stadtentwicklung und Politik und Verwaltung müssen dieses dringend Potenzial entdecken. Das Know-how für die Umsetzung hochwertiger Spiel- und Aufenthaltsbereiche mit Bäumen, Wasserflächen und biodiversen Staudenpflanzungen besitzen unsere Landschaftsgärtner“, zeigt Joos auf.
03 Perspektiven – Forderungen an die Politik
Investitionen in grün-blaue Infrastruktur
„Wir fordern von der zukünftigen Landesregierung höhere Investitionen in die grün-blaue Infrastruktur, für welche die Umsetzung des Schwammstadt-Prinzips unerlässlich ist. Wir haben in Baden-Württemberg die Unternehmen zur Umsetzung, was jedoch fehlt, ist ein beispielhaftes Musterprojekt, an welchem sich alle möglichen Maßnahmen anschaulich und praxisnah demonstrieren lassen. Es braucht dringend eine Muster-Schwammstadt beziehungsweise ein Muster-Wohnquartier in Baden-Württemberg. Anregungen für erfolgreiche Umsetzungen gibt es mittlerweile nicht nur in Stockholm, sondern auch schon in Wien, Graz und Zürich oder mit dem Neckarbogen auf der BUGA Heilbronn“, zählt Joos auf. Durch transparente Förderbedingungen in diversen Förderprogrammen, die nur durch den Abbau bürokratischer Hürden zu erreichen sind, eröffnen sich unseren Betrieben zusätzliche Auftragschancen.
Bürokratieabbau
Es benötigt einen dringenden Bürokratieabbau zur Stärkung des Mittelstands. „Hier hoffen wir tatsächlich, dass dieses Thema von der neuen Koalition mit hoher Priorität angegangen wird, damit sich unsere Betriebe wieder auf das konzentrieren können, wofür sie brennen. Weitere Belastungen durch zusätzliche Auflagen sind nicht mehr zumutbar“, ergänzt Joos. Hier spielt auch der bürokratische Aufwand durch die oben angesprochene Mautabrechnung, Fahrzeugregistrierung und Kontrolle eine große Rolle. Gleiches gilt für die Unternehmensnachfolge, bei der die Betriebe vor einer Vielzahl an bürokratischen Hürden stehen.
Ausbau bestehender Bildungseinrichtungen
Beim Neubau der Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart-Hohenheim kam Ende Februar nach sehr langem Warten endlich die Baugenehmigung für den ersten Bauabschnitt, welcher vor allem den Versuchsbetrieb, also Abriss und Neubau für die Gewächshäuser und die Maschinenhalle umfasst. „Wir müssen nun sehr zügig in die Planung des zweiten Bauabschnitts starten, damit dieser mit in die neuen Haushaltsverhandlungen kommt, denn die räumliche Trennung zwischen Versuchsbetrieb und Verwaltung mit Unterrichtsräumen ist zeitlich kaum zu stemmen. Das geht jedoch nicht, solange das Ministerium für Finanzen dem Universitätsbauamt keine Genehmigung für den Planungsauftrag übermittelt“, gibt Joos einen Einblick in den aktuellen Stand der Dinge.
Eine hochwertige Aus-, Fort- und Weiterbildung ist zur Deckung des Fachkräftebedarfs der Branche essenziell, denn laut aktueller Umfrageergebnisse meldeten die GaLaBau-Unternehmen mit 51,7 Prozent einen sehr hohen bis hohen Fachkräftemangel. Um diesen zu decken, spielt nicht nur die Staatsschule für Gartenbau in Stuttgart-Hohenheim eine Schlüsselrolle, sondern auch die DEULA Baden-Württemberg gGmbH in Kirchheim unter Teck als Ausbildungszentrum, beispielsweise mit ihren praxisorientierten Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich Garten- und Landschaftsbau. Die 6-wöchigen Kurse bereiten gezielt auf die Abschlussprüfungen im Garten- und Landschaftsbau vor und qualifizieren engagierte Mitarbeitende mit mindestens 4,5 Jahren Berufserfahrung zu Facharbeitenden. Damit das Aus- und Fortbildungsangebot der DEULA weiter ausgebaut werden kann, gab der VGL-BW die Machbarkeitsstudie „DEULA 2030“ in Auftrag. Sie liegt inzwischen vor und nun geht es an die Umsetzung der infrastrukturellen Weiterentwicklung zu Deutschlands fortschrittlichstem Bildungszentrum der grünen Branche. „Hierfür sind wir natürlich auch auf die finanzielle Unterstützung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz im Sinne einer modernen Aus- und Weiterbildung angewiesen“, erläutert Riley.
04 Aktuelle und zukünftige Gartenschauen in Baden-Württemberg
Vom 24. April bis zum 4. Oktober 2026 begeistert die Landesgartenschau in Ellwangen mit ihrer umfassenden Aufwertung des städtischen Raums. Die Jagst wird durch ihre Revitalisierung zum nachhaltigen Erholungsgebiet und verbindet verschiedene Gartenschauareale organisch miteinander. Der Stadtkern ist durch attraktive Grünachsen an diesen Flussraum angeschlossen, was auch der Titel dieser Landesgartenschau „Ellwangen an die Jagst“ sehr gut zum Ausdruck bringt.
„Entlang der Jagst begeistern acht Klimagärten, gebaut von insgesamt zehn Mitgliedsbetrieben des VGL- BW sowie einem Mitgliedsbetrieb aus Bayern, die hier aus einem reichhaltigen Ideen- und Klimafundus im Bereich der Gestaltung schöpfen“, freut sich Hopp über die hohe Zahl der sich beteiligenden Unternehmen. Diese klimaresilienten Rückzugsorte überzeugen mit einem echten Mehr an Lebensgenuss sowie einer stets hohen Ausführungsqualität:
Autarkie – Essenz des selbstbestimmten Lebens
Im Garten der Firmen Steinbrück Blumen-Gärten-Grün aus Schwäbisch Gmünd, Naturraum Gartenbau aus Königsbronn und Gebrüder Hupfeld aus Aalen verschmelzen die Elemente Wasser, Feuer, Luft und Erde zu einem Ort frei vom Alltagsstress. Bienenfreundliche Stauden, Geophyten und sorgsam ausgewählte Gehölze garantieren ganzjährige Blütenpracht und fördern die Artenvielfalt. In den Hochbeeten gedeihen Gemüse und Naschobst, recycelte Betonsteine und Upcycling-Elemente bekommen ein zweites Leben.
Die Magie des Wassers – Ein klares Statement zu Natur und Komfort
Ein schwebender Pfad aus Gitterrosten führt im Garten der Firma Schiessle GmbH & Co. KG aus Giengen an der Brenz mitten über einen glitzernden Wasserteppich. Im Regenwasser sammelnden Teich spiegeln sich imposante Solitärgehölze. Vertikalbegrünungen kühlen durch Verdunstungskälte, was auch im kleinsten Innenstadtgarten funktioniert. Hier verschmelzen Design und Nachhaltigkeit zu einem perfekten Ort.
Draußen wie drinnen leben! – Ein Outdoor-Wohnzimmer für jeden Tag
Diese perfekt durchdachte Gartenkomposition der Firma Grünanlagen Schwarz aus Aalen vereint Kochen, Entspannen und Naturgenuss auf höchstem Niveau – urban, praktisch, stylish. Der Pavillon schwebt wie eine moderne Skulptur über der Außenküche mit Bar. Hier wird Kochen zum Event und Genuss zur Lebensphilosophie, während frische Aromen aus dem Hochbeet mit Kräutern die Sinne verwöhnen.
Naturwohnraum – Ein Zuhause unter freiem Himmel
Stell dir vor: Dein Wohnzimmer ist die Natur. Die Wolken sind deine Decke. Die Wiese dein Teppich. Der Wind sorgt für frische Luft und die Morgensonne kitzelt sanft im Gesicht. In diesem Schaugarten der Firmen Gala Buduri und Thomas Augustin aus Aalen, lässt sich mitten im Grünen ein Bad unter freiem Himmel nehmen. Naturstein und Holz bilden solide Strukturen, das Wasserbecken dient der Entspannung, die Outdoorküche dem Genuss.
s‘ Glebte em neia Glanz – Gelebtes neu erleben
In diesem inspirierenden Garten spürt man die Freude am Gestalten von Mike Adriaans aus Aalen-Rauental und seinem kreativen Team: Ein historisches Holzsegelboot und ein Rundbogen aus geretteten Klinkern heißen die Besuchenden beim Entdecken von Naturerlebnis, Handwerkskunst und Upcycling – das hier in neuem Glanz erstrahlt – willkommen.
Kleiner Garten an der Au – Vielfältig, bunt, lebendig
Eine Pergola aus antiken Eisenträgern gewährt Eintritt in dieses verborgene Paradies der Wagner Gärten GmbH aus Neresheim-Schweindorf. Der mäandrierende Pfad aus versickerungsfähigem Pflaster führt durch einen transparenten Gehölzhain. Das Licht tanzt durch die Blätter und geleitet zum runden Tiefgarten am Auenufer, der sich gekonnt in die Landschaft schmiegt.
Contrasto – Im Reich der Gegensätze
Im Schaugarten der Wörner GmbH aus Hüttlingen treffen klare Betonflächen auf die natürliche Eleganz von Naturstein, während Formschnitt und wilder Pflanzenwuchs in einen faszinierenden grünen Dialog treten. Eine Flachwasserzone lädt zum Kneippen, der Badezuber zum Abtauchen ein. Stilvoller Naturstein als Mauer und Belag umrahmt das Pflanzkonzept.
Erholung nachhaltig – Recycelt, klimaresilient und inspirierend
Verschiedenste Plätze gewähren im Schaugarten der Zäh Gartengestaltung aus Wassertrüdingen reizvolle Blickachsen. Der Weg aus gebrauchtem Natursteinpflaster führt zu einem Aussichtshügel mit Blick auf die Jagst. Die ressourcenschonende Gestaltung mit vorhandenen Materialien, wie Totholz und Wurzelstöcken als wertvolle Mikrohabitate, ist beeindruckend.
Begleitend zu den acht Schaugärten bildet der VGL-BW-Pavillon Treffpunkt Grün die zentrale landschaftsgärtnerische Informationsplattform mit einem reichhaltigen Veranstaltungsprogramm. Kinder und Jugendliche können bei verschiedenen Veranstaltungen einen Einblick in den Berufsalltag eines Landschaftsgärtners gewinnen. Sechs Nachwuchsteams des Garten- und Landschaftsbaus treffen sich zur Eröffnung der Landesgartenschau Ellwangen am 24. April 2026 zum Landschaftsgärtner-Cup Baden-Württemberg 2026. In sieben Stunden gilt es, auf einer Fläche einen Garten nach Plan zu bauen. Eine Fachjury des Garten- und Landschaftsbaus bewertet die Wettbewerbsaufgaben nach den Regeln der Technik.
Gartenschau Bad Urach 2027
Mitten im Biosphärengebiet Schwäbisch Alb eröffnet am 5. Mai 2027 die Gartenschau in Bad Urach. Das zukunftsweisende Stadtentwicklungsprojekt beinhaltet die Renaturierung der Erms, die die Altstadt des Luft- und Heilbäderkurortes mit der Gartenschau sowie der Region zu einem einzigartigen Erlebnis verbindet. Die Planungsinspiration für das Berliner Büro Planorama lieferten die Naturräume des UNESCO-Biosphärengebiets Schwäbische Alb.
Die Garten- und Landschaftsbaubetriebe der Region gestalten neun individuelle Themengärten. Auch diese Bühne wird der VGL-BW für verschiedenste Veranstaltungen mit Politik und Wirtschaft sowie für Regionalversammlungen, die Meisterbriefübergabe, den Landschaftsgärtner-Cup und mehr nutzen. Bis 3. Oktober 2027 haben interessierte Besuchende Zeit, diese besondere Atmosphäre rund um den Heilkurort zu genießen.
Die Vergabe der Gartenschauen und Landesgartenschauen in Baden-Württemberg ist bis in das Jahr 2036 gesichert und demnächst startet die Vergabe des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz für die Jahre ab 2037. „Für die Fortführung dieses bewährten Stadtentwicklungsprozesses, der sich in den letzten Jahren auch immer mehr an einer grün-blauen Stadtentwicklung orientiert, sind wir unserer Landesregierung wirklich sehr dankbar“, informiert Hopp.
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